Pfautec Differential im Eigenbau-Dreirad – ein Vater-Sohn-Projekt

KUNDENPROJEKT · EIGENBAU-DREIRAD · PFAUTEC DIFFERENTIAL

Was passiert, wenn Vater und Sohn aus gebrauchten Fahrradteilen ein eigenes Mehrplatzdreirad bauen? Irgendwann kommt eine entscheidende technische Frage: Wie werden zwei angetriebene Hinterräder verbunden, ohne dass sie in jeder Kurve exakt gleich schnell drehen müssen?

Die Lösung dieses Kundenprojekts war ein Differentialgetriebe aus unserem Shop. Die Fotos dokumentieren den Eigenbau vom ersten Hinterachsrahmen über die bearbeiteten Achswellen bis zur zusätzlichen Lagerung des Differentials.

Eigenbau

aus Fahrradteilen

Ein individuelles Mehrplatzdreirad – kein serienmäßiges Pfautec-Dreirad.

Differential

zwischen beiden Achsen

Es ermöglicht unterschiedliche Drehzahlen der beiden Hinterräder in Kurven.

Vater + Sohn

gemeinsam gebaut

Ein technisches Projekt, bei dem Planen, Bauen und Verbessern zusammengehörten.

DIE IDEE HINTER DEM PROJEKT

Nicht kaufen, sondern gemeinsam etwas bauen

Der Sohn hatte sich von ungewöhnlichen Bauprojekten im Internet anstecken lassen. Statt nur zuzuschauen, sollte ein eigenes Projekt entstehen: ein Mehrplatzdreirad für Kinder aus vorhandenen und gebrauchten Fahrradteilen.

Rahmen, Hinterachse und Antrieb nahmen Form an. Dann stellte sich eine Frage, die bei einem Dreirad schnell entscheidend wird: Wie bekommen beide Hinterräder Antrieb, können sich in der Kurve aber trotzdem unterschiedlich schnell drehen?

„Das Differential war genau die richtige Lösung.“

Der erste Hinterbau des Mehrplatzdreirads

Das erste Kundenfoto zeigt sehr schön, dass hier kein vorhandenes Dreirad repariert wurde. Hinter einem normalen Fahrradrahmen entstand ein komplett eigener Hinterbau mit breiter Achse und zwei Hinterrädern.

Eigenbau-Mehrplatzdreirad mit breitem Hinterbau und zwei Hinterrädern
Der Eigenbau in einer frühen Phase: Fahrradrahmen, breiter Hinterbau und die beiden Hinterräder.

Warum ein Differential überhaupt notwendig ist

Bei Geradeausfahrt legen beide Hinterräder ungefähr denselben Weg zurück. In einer Kurve sieht das anders aus: Das äußere Rad muss einen größeren Weg zurücklegen als das innere und sich deshalb schneller drehen.

Wären beide Räder starr auf einer durchgehenden angetriebenen Achse verbunden, müssten Reifen oder Antrieb diesen Drehzahlunterschied durch Schlupf ausgleichen. Ein Differential verteilt die Antriebskraft auf beide Achsseiten und ermöglicht gleichzeitig unterschiedliche Drehzahlen.

Einfach gesagt

Geradeaus: beide Hinterräder drehen nahezu gleich schnell.
Kurve: das äußere Hinterrad darf schneller drehen als das innere.
Das Differential: ermöglicht diesen Drehzahlausgleich.

Die vorhandene Achse musste angepasst werden

Für den Eigenbau wurde die ursprünglich durchgehende Achse geteilt und an beiden Enden so bearbeitet, dass sie in die Aufnahme des verwendeten Differentials passte. Außerdem mussten die abgeflachten Bereiche und die Bohrungen für die Befestigung hergestellt werden.

Bearbeitetes Achsende für die Aufnahme eines Dreirad-Differentials
Links der bearbeitete Achsdurchmesser, rechts die abgeflachte Achsaufnahme mit Befestigungsbohrung.

Die alten Maßangaben bitte nicht als aktuelle Zeichnung verwenden

Der ursprüngliche Kundenbericht stammt aus dem Jahr 2021 und nennt bei der Bearbeitung der Eigenbauachse unter anderem „2 cm“. Diese Angabe sollte heute nicht als Fertigungsmaß übernommen werden.

Beim aktuell angebotenen Differential müssen die tatsächlichen Maße der Achsaufnahme anhand der aktuellen Maßskizze geprüft werden. Wer eine eigene Achse fertigt oder verändert, sollte das reale Bauteil vermessen und die Arbeit fachgerecht ausführen lassen.

Differential zwischen den beiden Achswellen

Nachdem beide Achsenden vorbereitet waren, konnte das Differential zwischen den beiden Achswellen eingesetzt werden. Die Verbindung zur Hinterachse erfolgt formschlüssig über die abgeflachten Achsaufnahmen und wird zusätzlich gesichert.

Dreirad-Differential zwischen zwei vorbereiteten Achswellen
Das Differential verbindet die beiden getrennten Achsseiten des Eigenbau-Dreirads.

DER ERSTE TEST

„Perfekt. Das Differential erfüllt seine Aufgabe prima.“

Damit war das Projekt aber noch nicht abgeschlossen. Gerade der erste Praxistest führte zu einer wichtigen konstruktiven Verbesserung.

Die wichtigste Erkenntnis: Das Differential nicht frei hängen lassen

Im ersten Aufbau hing das Differential weitgehend frei zwischen den Achswellen. Die Erbauer stellten anschließend fest, dass diese Konstruktion ungünstige Seiten- und Führungskräfte auf das Differential übertragen kann.

Eigenbau-Hinterachse mit eingebautem Differential und zwei Hinterrädern
Der erste funktionsfähige Aufbau: Differential und geteilte Hinterachse im Eigenbau-Rahmen.

Die Lösung: Der Hinterbau sollte zusätzliche Lagerböcke erhalten. Damit werden die Achswellen separat geführt und abgestützt. Das Differential übernimmt dann vor allem seine eigentliche Aufgabe – die Übertragung und Verteilung des Antriebsmoments.

Geplante zusätzliche Lagerung der Achswellen neben dem Differential eines Eigenbau-Dreirads
Gelb: vorhandene äußere Lagerböcke. Rot: geplante zusätzliche Lagerstellen links und rechts neben dem Differential.

Wichtig bei einem Eigenbau

Dieses Projekt zeigt eine individuelle Konstruktion eines Kunden und ist keine allgemeine Bauanleitung. Achsen, Lager, Rahmen, Schweißverbindungen, Bremsanlage und Sitzbefestigungen eines Mehrplatzdreirads sind sicherheitsrelevante Bauteile. Konstruktion und Fertigung müssen zur vorgesehenen Belastung passen und fachgerecht ausgeführt werden.

Das aktuelle Differential 100.010.513

Das heute im Dreirad-Shop angebotene Differential trägt die Originalnummer 100.010.513. Es ist als Ersatzteil für passende Pfautec- und Kynast-Shoppingdreiräder vorgesehen. Bei einem Eigenbau wie diesem muss die Konstruktion dagegen individuell auf die tatsächlichen Maße des Differentials abgestimmt werden.

22

Zähne am Ritzel

4

Kegelräder

16,1 / 14,0 mm

innere Achsaufnahme

Rund beziehungsweise im abgeflachten Bereich – aktuelle Ausführung.

Weitere aktuelle Maße: Gehäuse-Außendurchmesser 73 mm, Ritzel-Außendurchmesser 94 mm und 5-mm-Bohrung für die Verschraubung. Da sich alte und aktuelle Ausführungen beziehungsweise Achskonstruktionen unterscheiden können, sollten die Maße vor einer Bestellung immer mit dem tatsächlichen Bauteil verglichen werden.

Sie möchten das Differential für ein vorhandenes Dreirad verwenden?

Auf der Produktseite finden Sie die aktuelle Maßskizze, technische Daten und eine ausführliche bebilderte Montageanleitung. Besonders wichtig ist der Vergleich der Achsaufnahme.

Was an diesem Kundenprojekt besonders gefällt

Das Differential ist hier nur ein Bauteil eines viel größeren Projekts. Interessant ist vor allem der Weg dorthin: eine Idee entwickeln, gebrauchte Teile weiterverwenden, ein technisches Problem erkennen, eine Lösung ausprobieren – und den Aufbau nach dem ersten Test noch einmal verbessern.

Genau dadurch wird aus einem Ersatzteil plötzlich ein Bestandteil eines völlig neuen Fahrrads.

DREIRADTECHNIK IM DETAIL

Differential ersetzen oder für ein Projekt verwenden?

Für Pfautec- und Kynast-Dreiräder ist das Differential vor allem ein Ersatzteil. Bei Sonderprojekten und Eigenbauten müssen Achse, Lagerung und Rahmenkonstruktion dagegen individuell geplant und technisch geprüft werden.

Individuelles Kundenprojekt. Die gezeigte Eigenbaukonstruktion ist keine allgemeine Bau- oder Montageanleitung. Bei Änderungen an Achsen, Rahmen, Lagern oder Bremsanlage ist eine fachgerechte technische Auslegung erforderlich.



Kommentare

    1. Pfautec‑Dreiräder bremsen die hinteren Räder nicht direkt einzeln, sondern nutzen dafür ihr Zahnrad-Differential in der Hinterachse. Dabei verläuft das Bremsmoment über die Kette zum Kettenblatt und wirkt auf beide Räder synchron über das Differential.

      🛑 Wie funktioniert das genau?
      • Serienmäßig ist bei allen Pfautec-Dreirädern eine Differentialgetriebe-Achse verbaut, die das Drehmoment – also auch das Bremsmoment – auf beide Hinterräder gleichmäßig verteilt .
      • Führt man z. B. eine Rücktritts- oder Felgenbremse (je nach Modell) am Hinterrad aus, wird das Signal über die Nabe/das Ritzel aufs Differential übertragen, welches dann beide Räder verzögert – selbst in Kurvenverläufen

Fügen Sie einen Kommentar hinzu

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert