Anleitung 1

Anleitung 2


Kynast & Pfau-Tec Shoppingdreiräder Wechsel des Differentialgetriebes Schritt für Schritt erklärt

Vorwort :

Ich fahre schon seit knapp 10 Jahren ein Pfau-Tec Shoppingdreirad, in der Zwischenzeit etwas aufgebessert mit Elektroantrieb (dazu vielleicht mehr bei Interesse) und stand vor einem Problem : das Differentialgetriebe hat durch lautes Knacken bekanntgegeben : es ist kaputt. Werkstätten winken meist ab, zu aufwendig oder ….. man hat es einfach nicht mehr nötig – Willkommen in der Service Wüste Deutschland.

Hier also möglichst kurz und verständlich meine ganz persönliche Anleitung zum Austausch des Differentialgetriebes.

Eines noch vorweg : das Schwierigste ist der Ausbau der Achsen (es sei denn, man hat eine passende Abziehvorrichtung in seinem oder Freundes Sortiment) , aber wer halbwegs handwerkliches Geschick besitzt, sollte die Aufgabe mit allem Drum und Dran in ca. einer guten Stunde lösen können – also auch für den Laien machbar – ich bin auch nur einer …

… los geht’s :

benötigtes Werkzeug :

  • Kreuzschlitzbit bzw. Kreuzschlitz-Schraubendreher „PH2“
  • Maulschlüssel (kein Ringschlüssel oder Nuß !) „7“ und evtl. „8“*
  • ein, besser zwei Montierhebel / Brechstange oder ähnliches oder eine Abziehvorrichtung
  • einen kleinen bis mittelschweren Hammer
  • ein Stück Holz – besser Hartholz (z.B. von Großmutters großem Tisch ein Tischbeinstück oder ähnliches)
  • Inbusschlüssel (oder auch Innensechskant genannt) „3mm“ bzw. „1/8“ und evtl. „4mm“*
  • zwei kleine Schlitzschraubendreher
  • jeweils eine „Nuß“ mit dazugehöriger „Knarre“ in den Größen „7“ und „16“, wichtig ist die Größe „16“

* (diese Werkzeuge werden nur benötigt, falls Sie ein etwas abweichendes Differentialgetriebe mit „M5“-Sicherungsschrauben besitzen)

Vorbereitung :

… je nach Geschmack, Möglichkeiten und Vorlieben wird man das Rad entweder auf den Kopf drehen oder z.B. wie ich relativ einfach aufbocken – hilfreich ist eine gut funktionierende Feststellbremse für das Vorderrad und zwei Gartenstühle – so sah es bei mir aus :

Ausbau des Differentialgetriebes mit Abziehvorrichtung :

  • zunächst werden an jedem Hinterrad an der Achse die Plastikkappen mit zwei kleinen Schlitzschraubendrehern entfernt
  • als nächstes wird jeweils an jedem Hinterrad mit einer 16’er Nuß die Mutter entfernt
  • nun werden die beiden Unterlegscheiben an jedem Hinterrad entfernt
  • jetzt kann auf jeder Seite das Rad mit einer geeigneten Abziehvorrichtung entfernt werden
  • ebenso können jetzt mit einer Abziehvorrichtung die Achsen entfernt werden, vorher müssen aber die beiden Sicherungsschrauben entfernt werden, siehe 2.Strich im nächsten Kapitel „Ausbau des Differentialgetriebes ohne Abziehvorrichtung“

Wichtig : beim Abziehen des Rades die „Feder“, ein kleines Halbmond ähnliches Stahlteil nicht verlieren ! Dieses Teil ist äußerst wichtig und darf auch später beim Zusammenbau nicht vergessen werden und muss dann in die dazugehörige Nut eingesetzt werden !

Ausbau des Differentialgetriebes ohne Abziehvorrichtung – also mit der Brechstange :

  • liest sich zunächst brachial und nach roher Gewalt, ist aber je nach festem Sitz der Achslager gar nicht so schlimm
  • zunächst sind die beiden Sicherungsschrauben direkt neben dem Differentialgetriebe zu entfernen, je nach Ausführung wird ein 7’er oder 8’er Maulschlüssel und ein Inbusschlüssel (Innensechskant) „3mm“ bzw. „1/8“ oder „4mm“ benötigt
  • die Schrauben und Muttern gut aufbewahren !
  • wenn das erledigt ist, dann haben wir den etwas schwierigeren Teil vor uns : wir haben ja keine Abziehvorrichtung und deshalb haben wir auf den Achsen noch die Räder – mit viel Glück greift man das Rad an der Achse und zieht einfach kräftig daran, bis die Achse komplett mit Rad draußen ist. Eine zweite Person kann hier hilfreich sein, um das Dreirad zu halten. Ich benötigte etwas Gewalt : eine Brechstange zwischen Rad und Rahmen löste mit etwas ruckeln die Achse. Hier muß leider jeder selber zusehen, wie Rad und Achse heraus zuziehen gehen.
  • eine andere Möglichkeit der Entfernung der Achse könnte ich mir auch so vorstellen : man schraube das Rad wie im vorhergehenden Absatz „Ausbau des Differentialgetriebes mit Abziehvorrichtung“ ab und lege eine große Unterlegscheibe unter die wieder aufzuschraubende Mutter – jetzt könnte man mit dem Brecheisen unter die Unterlegscheibe gegen den Rahmen drücken bzw. hebeln – hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.
  • wenn die zweite Achse sich löst, sollte man aufpassen, daß das defekte Differentialgetriebe nicht herunter fällt – vorsichtig abziehen, Kette beiseite und schon haben wir das defekte Getriebe draußen
  • das Dreirad wurde bei mir mit dem Rahmen auf den Lehnen von den Stühlen abgelegt
  • bei mir sah das danach so aus :

  • als nächstes sollten die beiden inneren Achslager mit einer langen Stange oder unserem Brecheisen mit etwas Gefühl heraus geschlagen werden
  • die beiden inneren jetzt ausgebauten Lager werden gereinigt und mit einem guten Öl (Graphitöl) getränkt
  • die beiden Räder mit den Achsen legt man auf einen Tisch, reinigt die äußeren Lager und ölt diese ebenfalls
  • auch die Achsstummel sollten gründlich gereinigt werden

Wichtig : alle Lager gut reinigen und ölen ! Die Lager sollen nach etwa 10-15 Minuten im Öl leicht gereinigt und vor allem auf Leichtgängigkeit überprüft werden. Auf alle Fälle sollten die Lager sich leicht und ohne „knirschen“ drehen lassen. Wenn ein Lager Geräusche von sich gibt – „knirscht“ – dann bitte auswechseln – auf lange Sicht hat man sonst keine Freude an solchen Achslagern und man muß dann noch einmal alles auseinander nehmen …

Normal wären wir soweit und es ginge an den Einbau des neuen Differentialgetriebes, aber ich hätte da noch eine Empfehlung für ein möglichst langes Leben des neuen Getriebes :

Zuvor muß ich aber warnen, es könnte durchaus sein, daß bei den folgenden Hinweisen die Garantie des Getriebes erlöschen könnte – wem das Risiko zu groß ist, überspringt einfach diesen folgenden Punkt … :

Differentialgetriebe öffnen & neu fetten

In den nunmehr knapp 10 Jahren der Nutzung meines Dreirades musste ich leider feststellen, dass der Hersteller dieses Differentialgetriebes zwar ein recht gut funktionierendes Getriebe herstellt, aber bei der billigsten aller Komponenten spart : am Fett ! Mein allererstes Originalgetriebe war von Hause aus „staubtrocken“ und hielt deshalb nur ein halbes Jahr ! Nach dieser Feststellung baute ich gleich nach der Garantiereparatur das neue Getriebe aus und öffnete dies, um es kräftig mit Fett zu füllen – gehalten hat es jetzt etwas mehr als 9 Jahre.

Wer sein neues Differentialgetriebe mal in die Hand nimmt und die beiden Achsaufnahmen gegeneinander dreht, wird feststellen, daß dieses neue Getriebe sehr rauh, ja fast „knirschend“ sich drehen läßt.

  • eine Schale oder anderes Behältnis für die Schrauben und Muttern kann hilfreich sein
  • die nächsten beiden Bilder zeigen das geöffnete Differentialgetriebe und wie man sieht, ist nicht besonders viel Fett im Getriebe, schon gar nicht an den Zähnen selbst

  • wenn das Getriebe so vor uns liegt, dann gilt jetzt :

„wer gut schmärt (schmiert) – der gut fährt“

  • in diesem Sinne : reichlich möglichst graphithaltiges Fett hinein – besonders die Zähne der Zahnräder sollen gut bedeckt sein
  • nun wird das Differentialgetriebe in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammen gebaut : also auf das untere Stirnrad kommt der Kettenkranz mit den Kegel-zahnrädern und darauf das obere Stirnrad
  • jetzt nur noch die Gehäuse-kappe wieder drauf – das Fett darf ruhig so viel sein, daß es jetzt herausquillt
  • die Gehäusekappe beim Aufsetzen leicht drehen, bis die Wellen der Kegelzahnräder einrasten – bitte nur leichten Druck anwenden – beide Gehäusehälften sollten sich per Hand mit leichtem Druck vollständig schließen lassen
  • als nächstes kommen die Schrauben in die vorgesehenen Löcher und die jeweiligen Muttern drauf
  • zum An- und Festziehen benötigen wir wieder den Kreuzschlitz „PH2“ und den 7’er Maulschlüssel

Wichtig : bitte die Schrauben bzw. Muttern sachte und überkreuz möglichst gleichmäßig

anziehen – siehe Schema :

  • wenn alle Schrauben bzw. Muttern gleichmäßig angezogen wurden und beide Gehäusehälften des Differentialgetriebes gleichmäßig am Kettenkranz anliegen – und erst dann (!) werden nach dem gleichen obigen Schema alle Schrauben fest angezogen
  • geschafft, Achsaufnahmen drehen und noch heraustretendes Fett entfernen – das heraustretende Fett hat sogar den Vorteil, das auch die Gleitlager der Achsaufnahmen gut gefettet sind
  • jetzt mit einem sauberen Lappen das gesamte Gehäuse des Differentialgetriebes gründlich reinigen – fertig ist das Getriebe für den Einbau – und sich freuen, Gutes für das neue Getriebe getan zu haben, denn die Mühe wird ganz bestimmt belohnt durch eine deutlich längere Lebensdauer
  • einige Leser werden sich nun fragen, warum so viel Fett für ein Getriebe, deren Zahnräder sich so gut wie gar nicht bewegen : ganz einfach – die verwendeten Zahnräder in diesem Differentialgetriebe sind allesamt aus Gußstahl, die Laufflächen sind nicht geschliffen und so treffen rauhe Oberflächen auf die volle Leistung einer Menschenkraft – da gehört ordentlich Schmiermittel dazwischen, denn beide Hinterräder sind nie zu 100% gleich groß, so daß unser Differential immer etwas zu tun hat … – und zu viel Fett (als Schmiermittel !) hat noch nie geschadet !

Einbau des neuen Differentialgetriebes

  • zuerst werden die  gereinigten und geölten inneren Achslager wieder Achslager im Rahmen an ihren Platz im Rahmen gebracht
  • hier wird ein kleiner Hammer und ein Stück Hartholz zum Unterlegen benötigt
  • auch hier bitte wieder Gefühl walten lassen, rohe Gewalt oder zu derbe Schläge richten mehr Schaden als Nutzen an – wenn man die Lager sauber gerade aufsetzt, dann gehen diese normal recht leicht wieder an ihren Platz
  • als nächstes benötigen wir eine der beiden Achsen, ob nun mit oder ohne Rad, spielt keine Rolle

Wichtig : kurze Achse links, lange Achse rechts, in Fahrtrichtung gesehen, einbauen !

  • jetzt eine der beiden Achsen einschieben, aber nur soweit, daß sie gerade so innen aus dem inneren Lager herausragen !

  • unser neues Differentialgetriebe kann nun endlich an seinen Platz – dazu bitte vorsichtig und ohne Gewalt (!) das Getriebe mit der abgeflachter Aufnahme so drehen, daß diese sich passend auf die entsprechende abgeflachte Stelle der Achse ohne viel Kraft aufschieben läßt – die Achse kann nun ganz eingeschoben werden, soweit dies ohne großen Kraftaufwand eingeschoben werden kann
  • ebenso verfahren wir mit der anderen Achse – diese wird vorsichtig eingeschoben und so lange gedreht, bis diese auch hier in die abgeflachte Aufnahme des Getriebes leicht eingeschoben werden kann
  • nun überzeugen wir uns, daß beide Achsen im Getriebe stecken und durch z.B. drehen der Räder das Getriebe mitgenommen wird – auch hier wieder keine Gewalt !

Wichtig : bitte wirklich keine Gewalt am Getriebe – alle Stahlteile sind Gußteile und bruchgefährdet !

  • und genau aus diesem Grund werden jetzt die beiden Achsen, ob mit oder ohne Rad, mit einem kleinen bis mittlerem Hammer unter Zuhilfenahme eines untergelegtem Stück Holz in die richtige Position gebracht
  • dabei sollte immer mal ein Blick in die Bohrungen für die Sicherungsschrauben geworfen werden
  • im Idealfall ist das äußere Achslager wieder an seiner richtigen Position und das innere Achslager nicht herausgerutscht und alle Bohrungen von Achsaufnahme am Getriebe und den Achsen sind in Übereinstimmung

Wichtig : wenn vorhanden, die „alten“ M5 Sicherungsschrauben wieder verwenden !

  • aus einem mir unerklärlichen Grund werden jetzt M4 Sicherungsschrauben mitgeliefert, die Bohrungen sind aber für M5 Schrauben vorgesehen … ?!
  • ich würde, wenn noch vorhanden und im guten Zustand die M5 Schrauben verwenden
  • na dann : die Sicherungsschrauben in die Bohrungen, je nach Schraubengröße mit Maulschlüssel (oder Ringschlüssel oder Nuß) „7“ oder „8“ und Inbusschlüssel (oder auch Innensechskant genannt) „3mm“ bzw. „1/8“ oder „4mm“ festziehen, Kette drauf

fertig !

Wenn alles mehr oder weniger gut verlaufen ist, sollte das Ganze nach dem Getriebewechsel in etwa so aussehen, wobei hier noch ein wenig Fett ausgetreten ist – dies kann durchaus nach einigen Kilometern noch passieren – sollte dann aber entfernt werden, damit sich kein Staub und Dreck ablagert. Hier also der fertige Austausch :

Ich hoffe, ich konnte mit dieser Anleitung Unterstützung oder Hilfe geben, sollten dennoch Fragen bestehen, dann stehe ich gern unter

dreiradfahrradfahrer@freenet.de

zur Verfügung, allerdings nur zu Pfau-Tec Shoppingdreirädern.

 


 

Anleitung 2 in Bildern